Laufen und Leben...
... ist der Verlag von Werner Sonntag
Auf den folgenden Seiten erscheinen Beiträge zum Laufgeschehen, soweit sie nicht aktuell bei www.laufreport.de eingestellt sind, sowie Buchrezensionen und werden die Titel beschrieben, die über Laufen und Leben zu erhalten sind.
Wer Werner Sonntag nicht kennt: Er ist ein Laufpionier aus der Zeit der frühen Volkslaufbewegung und aus dem Kreis um Dr. Ernst van Aaken. Als Journalist begleitet er die deutsche Laufszene seit 1968.

Photo: Alpha Foto
Im Alter laufen
An dieser Stelle stehen Nachrichten, Informationen und Kommentare zum Thema Laufen und Walken im Alter. Die Mitwelt - Veranstalter und Medien - muß sich daran gewöhnen, daß wir, die Senioren, eine Zielgruppe sind. Allzu oft wird die gelaufene Zeit als das Maß aller Dinge betrachtet. In der Vergangenheit hat dies oftmals dazu geführt, daß sich leistungsstarke Läufer zurückgezogen haben, wenn sie mit Jüngeren nicht mehr konkurrieren konnten. Ich möchte zu einer anderen Sichtweise anregen.
Mit 100 Jahren Marathon gegangen
Fauja Singh, Inhaber des Marathon-Rekords in M 90, hat am 16. Oktober 2011 den Toronto-Waterfront-Marathon in 8:11:05.9 Stiunden bewältigt. Fauja Singh hat am 1. April 2011 seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. Sein Geschwindigkeitsdurchschnitt betrug knapp 12 Minuten für den Kilometer; er hat damit den Marathon in normalem Wanderschritt zurückgelegt.
Fauja Singh hatte bis zum Tode seiner Frau unter schwierigen Verhältnissen einen Bauernhof in Indien bewirtschaftet. Nach dem Tod seiner Frau und eines Sohnes zog er im Jahr 1981 nach London, wo sein jüngster Sohn lebt. Gefördert durch einen indischen Trainer, begann er mit dem Laufen und erwarb auf mehreren Strecken Altersrekorde. Im Alter von 92 Jahren lief er, ebenfalls in Toronto, den Marathon in 5:40:04 Stunden. Nach seinem neuerlichen Lauf ist er der älteste Mensch auf der Welt, der die Marathonstrecke zurückgelegt hat. Dennoch wird er nicht in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Er kann keinen Geburtsschein vorlegen, den die Redaktion verlangt hat. Nach offizieller Mitteilung sind im Jahr 1911 in Indien noch keine Geburtsscheine ausgestellt worden.
M 80 in Berlin ist MH gewesen
Die erstaunliche Leistung des Niederländers Jan Stuursma am 25. September beim 38. Berlin-Marathon in M 80 hat sich als Irrtum herausgestellt. Stuursma ist zwar 2:38:16 Stunden gelaufen, gehört jedoch der Klasse MH an. Die Ergebnisliste des Berlin-Marathons ist korrigiert worden. Die schnellste Zeit in M 80 ist der FinneVainö Latvala mit 5:52:15 gelaufen. Die M 80 war mit 3 Finishern besetzt. Der Letzte, ein Japaner, brauchte 7:00:04 Stunden. In M 75 liefen 28 Männer ins Ziel, die beste Leistung vollbrachte der Spanier Manuel Rosales Touza in 3:38:40. Hannelore Küpper (GER), die einzige Finisherin in W 75, legte die Strecke in 5:11:34 zurück.
100-km-Erfolge von Senioren
Mit der 100-Kilometer-Weltmeisterschaft am 10. September in Winschoten ist auch die Senioren-Weltmeisterschaft ausgetragen worden. Dabei sind auch deutsche Läufer erfolgreich gewesen. Nach Mitteilung der DUV erhielten Goldmedaillen: Michael Sommer, M45, für 7:38:59 Stunden, Rainer Leyendecker, M 55, für 8:31:46, Norbert Hoffmann, der in M 65+ starten mußte (statt altersgemäß in M 70), für 9:49:21, und Anke Meinberg, W 55, für 10:16:43. Mit einer Bronzemedaille wurden ausgezeichnet: Patrick Single, M 45, für 8:13:33, Günther Weitzer, M50, für 9:45:15, Tanja Hooß, W40, für 8:14:39, Simone Stöppler, W45, für 9:10:33 und Ulrike Steeger, W50, für 9:38:48 Stunden.
Sieger über den Regen
Den 100-km-Lauf am 17./18. Juni in Biel hat der Schweizer Hans Behounek aus Pratteln, Jahrgang 1929, in 17:12:50 Stunden beendet. Er war der einzige, der in M 80 gestartet ist. Die Leistung ist um so höher zu bewerten, als die Veranstaltungen der Bieler Lauftage erheblich unter dem Regen litten.
Walter Koch, einer der weltbesten Altersläufer, ist im Jahr 2010 in den Club der Siebziger eingetreten und hat eine eigene Website eröffnet: www.walter-koch-marathon.de Auf seiner Homepage schildert Koch seine läuferische Biographie, die im Jahr 1979 begann. Niemand zuvor, weder in der Schule noch in der Bundeswehr, hatte seine außerordentliche Laufbegabung erkannt. Seine Website bündelt übersichtlich seine Erfolge. 47 seiner 52 Marathonläufe hat er in unter 2:50 Stunden beendet, darunter 13 Mal unter 2:30 Stunden. Im Jahr 2010 lief er beim Gutenberg-Marathon in Mainz mit 3:03:38 Stunden den deutschen Rekord in M 70. Bei den neun Teilnahmen in New York belegte er sechsmal den 1. Platz in seiner jeweiligen Altersklasse. Auf verschiedenen Laufstrecken von 5000 und 10000 Meter Bahnüber Halbmarathon und 25 km bis zum Marathon errang er 5 Weltmeistertitel, 4 Vizeweltmeistertitel und 6 Europameistertitel. Der Hinweis auf die neue, informative Website ist Günther Krehl zu danken.
Achtzigjähriger läuft den New York-Marathon in unter 4 Stunden
Beim New York City-Marathon am 6. November 2011 sind 8 Teilnehmer in M 80 und 4 Teilnehmerinnen in F 80 gelaufen. Die schnellste Zeit der beiden Altersklassen lief der 80jährige Japaner Michio Kumamoto in 3:56:30 Stunden, die längste brauchte die Japanerin Keiko Fuijoka mit 8:26:30 Stunden. In M 75 starteten 35 Männer und in F 75 sechs Frauen.
Der einzige Achtzigjährige beim Frankfurt-Marathon am 30. Oktober 2011 hat die Marathonstrecke in 4:20:21 Stunden beendet; es ist Johannes Büchl (GER).
Mit fünfundsiebzig den Spartathlon
Alfred Schippels, Jahrgang 1935, hat am 24./25. September 2010 den Spartathlon beendet. Er ist der bis heute älteste Teilnehmer dieser Strecke von Athen nach Sparta, die innerhalb von 36 Stunden zurückgelegt werden muß. Schippels hat den 246 km langen Ultralauf in 35:23:19 Stunden beendet. Schippels war bereits 1998 an der Akropolis am Start und kam nach 33:43:16 Stunden an der Leonidas-Skulptur in Sparta an. Bis zu diesem Jahr waren die ältesten Finisher ein 72 Jahre alter Japaner, der 70jährige Franzose Max Courtillon und etliche 60 bis 64 Jahre alte Teilnehmer gewesen. Die Leistung des 75jährigen Alfred Schippels ist ein Markstein in der Landschaft der Laufkultur.
Finish nach vierzig Jahren
Wenn ein Athlet erklärt, er beende nun seine Karriere, ist er gewöhnlich noch keine vierzig Jahre alt. Kürzlich hat ein Läufer angekündigt, nun werde er keinen Marathon mehr laufen. Wenn das Müller-Lüdenscheid äußert, interessiert das keinen Menschen. Doch die Ankündigung kam von einem Laufpionier, dem japanischen Läufer Keizo Yamada. Er wird 82 Jahre alt. Nach wie vor will er täglich laufen, gegenwärtig sind es 20 Kilometer; nur eben Marathon-Läufe will er nicht mehr bestreiten. In diesem Jahr ist er die letzten drei gelaufen.
Keizo Yamada ist einer der wenigen Hochleistungssportler, die ihren Sport, auch ihren Wettkampfsport, nicht aufgegeben haben. Yamada, geboren am 30. November 1927, lief 1949 seinen ersten Marathon und nahm 1952 an den Olympischen Spielen in Helsinki teil; den Marathon beendete er auf dem 26. Platz mit 2:38:11 Stunden. Im Jahr darauf gewann er den Boston-Marathon als erster unter 2:20, nämlich in 2:18:51 Stunden. Am Boston-Marathon hat er 19 Mal teilgenommen, zum letztenmal in diesem Jahr (6:16:56). Im Jahr 1956 siegte er im Fukuoka-Marathon in 2:25:15 Stunden. In der Altersklasse M 70 belegte er erste Plätze, seine schnellste Zeit war 3:27:31 Stunden im Jahr 2000. Den Fukuoka-Marathon lief er in diesem Jahr in 5:18:23 Stunden.
Nun meinte Keizo Yamada, jetzt sei es Zeit, sich vom Marathon zu verabschieden. Er werde jedoch weiter zu seinem Vergnügen und für seine Gesundheit laufen.
Veröffentlichungen
www.laufreport.de Sonntags Tagebuch, Rezension "Erlebnis pur" (Swiss Alpine).